Mostprämierung 2015

Hoch das Glas der Mostkostproben

VON PATRICIA KOZJEK

METZINGEN-GLEMS. Zugegeben, Most ist nicht jedermanns Sache. Eine Most-Prämierung, wie die vom Förderverein Obstbaumuseum Glems im dortigen Feuerwehrgerätehaus, kann aber eine gesellige, humorvolle wie interessante Angelegenheit sein. Historischen Zeugnissen zufolge war Most schon bei den Kelten bekannt. Sie tranken Obstwein hauptsächlich zur Verdauungsförderung. Später war er besonders geschätzt, weil ihn jeder kostengünstig selbst herstellen konnte. Im 19. Jahrhundert zählte Most auf der Alb zu den wichtigsten Getränken, zahlreiche Trinksprüche und Verse stammen aus dieser Zeit.Auch heute hat der Most zahlreiche Liebhaber. Freude herrschte am Abend der Prämierung über die rege Teilnehmerzahl trotz spärlicher Voranmeldungen, wie Wolfgang Dürr vom Glemser Obstbaumuseum verrät. Mit einem Gedicht und »… auf dass man ihn in 1 000 Jahr’ auch noch kennt«, eröffnete Dürr den Abend.
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»Was die Öchslegrade betrifft, war es ein sehr dürftiges Jahr«  Ob »Moscht oder koin Moscht?«, darüber urteilten eine vierköpfige Jury und über 40 Koster am Tisch. 41 Flaschen gingen ein. Pro Person durften maximal 3 Sorten abgegeben werden. Pro Most konnten 20 Punkte vergeben werden für Farbe, Klarheit, Geruch, Geschmack, Nachklang und den allgemeinen persönlichen Eindruck. »Zwar hatten wir reichlich Obst im letzten Jahr, doch war es dennoch ein sehr dürftiges Jahr, was die Öchslegrade betrifft«, erklärt Dürr. 70 Öchsle wären toll für das Getränk, 2014 kam man aber gerade mal auf 45 bis 50. »Der Alkoholgehalt im Most leidet darunter und damit auch der Geschmack«. Ob es einer der Testmoste auf 7 bis 8 Prozent Alkoholgehalt schafft, fragte sich die Jury gleich zu Beginn. In der saßen mit Johannes Jugel und Bodo Kablau die Vorsitzenden der Obst- und Gartenbauvereine Metzingen und Reutlingen, Detlef Schollmeier (Leiter des Städtischen Obstbaus Metzingen) und Hermann Wick (Landwirt i.R. und langjähriger Schnapsbrenner). Alle zogen bei der Verkostung gelegentlich echte »Mostgesichter«. Bis Flasche 18 hatte sie noch keine Probe vom Hocker gehauen. »Das ist ein echter Schüttler«, entfährt es Schollmeier einmal. Er verzieht heftig das Gesicht.  »Schmeck mal in das Glas. Obacha! Den probier ich gar nicht«

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»Schmeck mal in das Glas – obacha! Den probier’ ich gar nicht«, hört man Robert Reusch derweil am Tisch kommentieren. »Ich schmeck nur Hefe«, urteilt eine Kosterin wenig begeistert.Dass Most auch junge Menschen umtreibt, bestätigen Mathias (29) und Schwester Nicole (23) Reusch. Über mehrere Generationen wird in der Glemser Familie schon gemostet, wie Vater Robert erzählt. 30 eigene Mostsorten und rund 1,6 Hektar Wiesen und Land bescheren der Familie zur Ernte- und Saisonzeit oft schlaflose Nächte. »Soziale Kontakte sind in dieser Zeit nahezu unmöglich«, scherzt Mathias Reusch. Weit gefahren zur Prämierung nach Glems ist Udo Schwander aus Durlach bei Karlsruhe. Auch er mostet schon in dritter Generation. »Aus Leidenschaft.«Erstmals wurde die Prämierung heuer in drei Gruppen vorgenommen. Die ersten beiden Preise in der Gruppe »Traditionelle Moste« (voll ausgegoren im Holz- oder Kunststofffass) nahmen die Geschwister Mathias und Nicole Reusch mit heim. Vater Robert Reusch holte den ersten Platz der Kategorie »Traditionelle Moste mit Zutaten« (Quitte, Beeren, Kirsche), Udo Schwander Platz zwei. Erfolgreich in der Kategorie »Druckmoste aus dem Metallfass« waren der Förderverein Obstbaumuseum Glems und Ulrich Bonin aus Wurmlingen. (GEA)

GLEMS

Jedes Oechsle zählt

Von Larissa Abbenzeller

“Most oder kein Most”: Diese Frage klärten die kompetenten Juroren am Mittwochabend bei der gut besuchten Mostprobe im Feuerwehrgerätehaus Glems. 41 verschiedene Tropfen standen zur Verkostung.

Ab 18 Uhr kamen die ersten Mosterzeuger um ihre edlen Obsttropfen zur Verkostung abzugeben. Nicht nur Bauern aus der näheren Umgebung ließen ihre Erzeugnisse in die neutralen, nummerierten Bügelflaschen umfüllen. Udo Schwander kam sogar aus Durlach angereist, um seinem Most der Fachjury zu präsentieren. Angeben musste er hierbei die Hauptsorten in Prozentzahl, die Pressart sowie den Oechslegrad.

Besonders wichtig war auch die Fasslagerung. Wurde der Most im Holz- oder Kunststofffass traditionell voll ausgegoren oder handelt es sich um einen Druckmost, der im Metallfass nur angegoren wurde?

Während einige Moster noch auf die traditionelle Methode schwören, setzen vor allem jüngere Erzeuger vermehrt auf die Druckmoste. Hierfür gärt der frisch eingefüllte unbehandelte Saft im Druckfass nur ein bis zwei Wochen. Da der Gärdruck nicht entweichen kann, wird die Gärung gestoppt. Der Most bleibt dadurch alkoholarm mit viel Restzucker. “Das macht den Druckmost besonders lieblich”, schwärmte Jurymitglied Bodo Kablau aus Reutlingen. Da es aber wegen der unterschiedlichen Methoden und Zutaten im letzten Jahr zu Unstimmigkeiten kam, wurde in diesem Jahr bei der mittlerweile schon neunten Auflage der Mostprämierung in drei Gruppen gewertet. Traditionell voll ausgegorene Mostsorten aus Birnen und Äpfeln, dann diejenigen mit Zutaten wie Quitten oder Beeren und schließlich die modernen Druckmoste.

Um eine Grundlage für die 41 Proben zu schaffen, wurde aber erstmal ordentlich gevespert: Eninger Bergmausknöpfle, Kartoffelsalat und Mostseelen kamen auf den Tisch. Die vier Tester aus der erfahrenen Jury machten sich sogleich ans erste Gläschen ran. “Schließlich wird’s noch ein langer Abend”, sagte Landwirt i.R. und Brenner Hermann Wick mit Blick auf die vielen Flaschen.

Bei den ersten Gläsern löste der ein oder andere Schluck selbst bei den erfahrenen Kennern das typische Mostgesicht aus. Detlef Schollmeier, Leiter des Städtischen Obstbaumuseums Metzingen und Juror, wusste auch genau woran es liegt: “Ohne Oechsle kein Geschmack”, kommentierte er die in diesem Jahr eher geringe Oechslezahl. Doch nicht nur der Geschmack, sondern auch Geruch, Farbe, Klarheit und sogar der Nachklang wurden ganz genau unter die Lupe genommen und bewertet. Zwischendurch musste der Geschmack natürlich immer wieder mit Brot und Wasser neutralisiert werden. Mit prüfendem Blick wurde der Most von Juror Johannes Jugel aus Metzingen im Glas geschwenkt und begutachtet.

Auch die über 40 Gäste der Mostprobe durften ihr Urteil auf eigenen Bewertungsbögen festhalten. “Das fließt dann eventuell auch in die Jurywertung mit ein oder gibt zumindest auch Aufschluss darüber, wohin der allgemeine Geschmack geht”, so Wolfgang Dürr vom Obstbaumuseum. Der allgemeine Mostgeschmack geht wohl eher in Richtung milder Druckmost. “Mit den verschiedenen Zutaten wie Himbeere, Johannisbeeren, Kirschen hat man natürlich viele Möglichkeiten, um zu experimentieren”, erklärte Bodo Kablau. Auch Mathias Reusch, selbst Mosterzeuger, ist begeistert von den lieblichen Ergebnissen im Druckfass. “Das schmeckt halt vor allem den jungen Leuten”, verriet der 29-Jährige. Mit seinen gerade mal zwei Prozent Alkohol ist der beliebte Prickler der ideale Frauen- und Autofahrermost. “Dafür eignet sich das Streuobst in Glems und Neuhausen natürlich besonders gut, da es viel Süße und wenig Säure hat.”

Auch wenn die Mosterei sehr viel Arbeit und Zeit verlangt, sind Mathias und seine Schwester Nicole mit vollem Herzblut dabei. “Bei uns wurde seit eh und je gemostet”, erinnert sich Vater Robert Reusch. Vielleicht ist es ja diese Erfahrung, die den Glemser dann auch zum Sieger, vor dem aus Durlach angereisten Udo Schwander, in der Kategorie “Traditionelle Moste mit Zutaten” machte. Und da der Mostapfel nicht weit vom Stamm fällt, räumten seine Kinder Mathias und Nicole in der Kategorie “Traditionelle Moste” sogar Platz eins und zwei ab.

Über den zum leckersten Druckmost gekürten Tropfen freute sich der Förderverein Obstbaumuseum Glems vor dem Wurmlinger Moster Ulrich Bonin. Prämierung hin oder her, gab es für die gut gelaunten Gäste am Mittwoch keinen Grund traurig oder enttäuscht zu sein, denn ob süß oder sauer, klar oder trüb, bei einer Sache waren sich dann doch alle einig: “Des Schwaben Trost bleibt doch sein Most.” (SWP)

Klassische Moste:

1. Preis: 100% Wilde Eierbirne von Mathias Reusch

2. Preis: 100% Oberösterreichische Weinbirne von Nicole Reusch

Traditionelle Moste mit Zusätzen:

1. Preis: 60% Äpfel, 30% Birnen und 10% schwarze Johannisbeeren von Robert Reusch

2. Preis: 50% Äpfel, 20% Birnen und 30% rote Johannisbeeren von Udo Schwander aus Karlsruhe-Durlach